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Die Rollbahnstation am Trientgletscher.    1893                       Archives communales de Trient



Der Col de la Forclaz liegt südwestlich von Martigny an der Grenze zu Frankreich.



Rollbahnen wurden zum Transport verschiedenster Güter erstellt. Dass eine Rollbahn jedoch speziell zum Transport von Gletschereis herangezogen wurde scheint doch eher ungewöhnlich.

Von 1865 - 1893 besass Maurice Robatel die Rechte um am Trientgletscher Eis abzubauen. Die Gletscherzunge reichte damals bis gegen das heutige Chalet du Glacier. Mit Schwarzpulver wurde das Eis abgesprengt und in transportable Blöcke gespalten. Zum Transport der Eisblöcke bis zum Col de la Forclaz wurde dann 1883 eine Rollbahn erstellt. Ungefähr ein Dutzend Rollwagen mit aufgebautem Holzkasten befuhren die schwach geneigte Strecke zum Pass hinunter. Die Rückführung der Wagen geschah mit Pferden. Es gab 3 Kreuzungsstationen. Bis zu 30 Arbeiter waren in den Sommermonaten beschäftigt.
Vom Col de la Forclaz gelangte das Eis mit Fuhrwerken nach Martigny (10 bis 15 Fuhrwerke pro Tag) von hier wurde das Eis mit Bahnwagen nach Paris, Lyon und Marseille transportiert. Die dort ansässigen Brauereien benutzten das Trienter-Eis zum kühlen des Bieres.
Es wurden täglich 20 - 30 Tonnen Eis abgebaut und verfrachtet. Unterhalb des Gletschers wurde ein massives Gebäude als Arbeiterunterkunft erstellt.
1886 erteilte der Kanton Wallis die Bewilligung zum Bau einer Transportseilbahn vom Col de la Forclaz nach La Croix. Zum Bau kam es jedoch nicht mehr.
Anfang des 20. Jahrhunderts kam mit der Erfindung der Eismaschine der Abbau am Trientgletscher zum Erliegen.



Von der damaligen Gletscherzunge auf einer Höhe von ca. 1604 Meter ü.M. wurden die Eisblöcke über mobile Holzkänel bis zur Arbeiterunterkunft (heutiges Chalet du Glacier) geleitet. Von hier lagen die Gleise am rechten Talhang im leichten Gefälle bis auf den Col de la Forclaz auf einer Höhe von 1527 Meter ü.M. Abgesehen von umfangreichen Stützmauern gab es keine grössern Kunstbauten.
Bei der Ausgangs- und der Endstation waren grosse, gleisseitig offene Hütten zur Zwischen-lagerung des Eises vorhanden.


Streckenskizze der Rollbahn Trient.                                                      map.search.ch



Das Trassee blieb bis heute vollständig erhalten. 1895 wurde nach dem Abbau der Gleise auf dem Trassee eine Suone (Bisse) erstellt welche Gletscherwasser zur Bewässerung auf den Col de la Forclaz leitet. Das Wasser fliesst teilweise in offenen Holzkäneln.
Die ehemalige Arbeiterunterkunft beim Gletscher wurde ab 1914 in den Sommermonaten als "Buvette" geführt. 1978 wurde das Gebäude durch eine Lawine vollständig zerstört. 1984 wird das neu erstellte "Chalet du Glacier" eröffnet. (Bewirtung in den Sommermonaten).



Das ehemalige Rollbahntrassee vom Col de la Forclaz (Postautohaltestelle) zum Chalet du Glacier (Suonenweg) lässt sich dank seiner geringen Steigung problemlos begehen.

Die Wanderzeit beträgt ca. 50 Minuten in einer Richtung.



Betriebsaufnahme                                        1883
Betriebseinstellung                                       1893
Streckenabbruch                                         1895
Streckenlänge                                             3,3  km
Spurweite                                                  600  mm
Grösste Neigung  ca.                                     15  0/00
Tiefster Punkt der Strecke                            1527  m.ü.M.
Höchster Punkt der Strecke                          1583  m.ü.M.
Anzahl Weichen  ca.                                      8
Betriebsart   talwärts                              Schwerkraft
                 bergwärts                           Pferdegespann
Kupplungssystem                                   Haken / Kette



Das Rollmaterial war einheitlich und bestand aus ca. 12 Lorenuntergestellen mit aufgebautem Holzkasten. In Abweichung zum nachgebauten Wagen waren die Holzkasten ohne Deckel um höher laden zu könen. Mindestens ein Teil der Loren musste mit Hanbremsen ausgerüstet sein.
Wahrscheinlich bildeten je 4 Wagen einen Lorenzug.


Die nachgebaute Lore welche am Trassee zusammen mit einer Infotafel aufgestellt wurde.     2015                                                                                  Foto  J. Ehrbar



Bereits 1893 wurde die Bahn eingestellt. Fotografieren war damals ein sehr teures Hobby und eine Rollbahn sicher nicht gerade das Erste das man auf die Platte bannte. Daher existieren praktisch keine Bilder aus dieser Zeit.

Der Trientgletscher zur Zeit des Eisgewinnung.   1891
Arbeiter bei der Eisgewinnung an der Gletscherzunge und beim Abtransport zur Rollbahnstation an der Holzrutsche (Riese).
Bei der Bergstation steht ein Rollbahnzug mit sichtbaren vier Wagen. Drei Wagen sind beladen der vierte noch leer. Neben dem Zug der gedeckte Lagerraum für die Eisblöcke. Links das Logierhaus für die Arbeiter.  1893                       Alle Bilder:   Archives communales de Trient





Einige Bilder von der ehemaligen Arbeiterunterkunft am Gletscher.

Das ehemalige Personalhaus nun als "Buvette" für Wanderer. Die beiden Herren stehen auf dem Rollbahntrassee.
Das "Buvette" mit Gästen auf dem Trassee.
Das "Buvette" im Jahre 1970. 1978 werden die Gebäude durch eine Lawine zerstört.
Alle Bilder:      Archives communales de Trient



Blck auf den Trientgletscher. Verglichen mit dem Zustand von 1900 ist die Gletscherzunge um über 2000 Meter zurückgegangen.
Chalet du Glacier. Das einfache Restaurant steht am Platz des ehemaligen Logierhauses für die Arbeiter. Auf dem bereits sichtbaren Trasseeteil wurden die Loren beladen.
Auf dem Trassee Richtung Col de la Forclaz.
Gut sichtbar die nach der Bahneinstellung bergseitig angelegte Suone.
Original Stützmauer aus der Rollbahnzeit.
Der gut zu begehende Trasseeweg.
Auch diese Trockenmauer stamt aus der Bahnzeit.
Eine enge Kurve.
Ob die neuen Betonmauern nach 120 Jahren auch noch ihren Zweck erfüllen?
Auch für weniger trainierte Wanderer ist diese Strecke gut zu bewältigen.
Dank dem gleichmässigen Gefälle der Rollbahnstrecke konnte später problemlos der Wasserlauf gebaut werden.
Blick auf die gegenüber liegende Seite des Trienttales.
Aus dem Fels gehauener Trasseeteil mit talseitiger Stützmauer.
Und immer folgt der Wasserlauf der Suone dem Rollbahntrassee.
Kurve an Kurve.
Trasseeteil am sehr steilen Berghang.
Der Horizont weitet sich.
Immer wieder grössere und kleinere Stützmauern aus der Rollbahnzeit.
Erneuerter Suonenkanal.
Und zur Abwechslung einmal einen Blick in die Tiefe auf das Dorf Trient.
Im Hintergrund sind die ersten Häuser auf dem Col de la Forclaz (Passhöhe) sichtbar.
Die letzten Meter des Rollbahntrassees. Hinter dem Parkplatz das Hotel auf der Passhöhe.
Ungefähr da wo der Kiosk steht war das Ende der Rollbahn und die Umladestelle auf die Fuhrwerke. Links die Strasse auf der Passhöhe des Col de la Forclaz.
Alle Fotos:        J. Ehrbar                   2015




                                  




Trient, cent ans d'histoire, cent ans de vie                  R. Gay-Crosier


 
   
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