Furka – Oberalp Bahn (FO/BFD)

Strecke: Oberwald – Gletsch – Realp

HGe 4/4 Nr. 32 bei Oberwald.  1981                                                                       Foto  J. Ehrbar

Hier liegt die Strecke

Oberwald liegt nordöstlich von Brig zuoberst im Rhonetal.

Geschichte

Die erste Konzession für eine Eisenbahn durchs Goms und via Bedrettotal nach Airolo wurde 1886 erteilt. Finanzielle Probleme verhinderten den Bau. Es folgten zahlreiche weitere Projekte. 1907 wurde einer elektrischen Schmalspurbahn mit teilweisem Zahnradbetrieb von Brig nach Gletsch und weiter über Andermatt und Oberalp nach Disentis die Konzession erteilt. Da die Aktienmehrheit der Brig – Furka – Disentis Bahn BFD in französische Hände geriet hatten plötzlich die Franzosen das Sagen und verlangten, um Kosten zu sparen, die Bahn mit Dampfloks zu betreiben.
Am 30. Juni 1914 konnte der Dampfbetrieb zwischen Brig und Gletsch eröffnet werden. Als der erste Weltkrieg wenig später ausbrach zogen die italienischen Arbeiter nach Hause und die Bauarbeiten zwischen Gletsch und Disentis mussten eingestellt werden. Wegen der unvollendeten Strecke und dem Krieg kam die BFD in eine finanzielle Schieflage. Die französischen Aktionäre wollten kein Geld mehr zuschiessen und 1923 musste die Zwangsliquidation über das Unternehmen verhängt werden.

Den Politikern war klar dass man diese, zwar noch unvollendete, 100 km lange Alpenbahn nicht aufgeben konnte. Eine neue Gesellschaft mit dem Namen Furka – Oberalp Bahn FO wurde gegründet und die Bauarbeiten zügig zu Ende geführt. 1926 konnte der durchgehende Zugsverkehr zwischen Brig und Disentis aufgenommen werden.

Von Anfang an war an der Furka nur ein Sommerbetrieb vorgesehen, ein Winterbetrieb kam wegen der exponierten Lage nicht in Frage. Dieser Umstand war natürlich für den Tourismus beidseits der Furka hinderlich und auch der FO brachte der jeweils 7 Monate dauernde getrennte Betrieb höheren Aufwand und massiv geringere Erträge. 1964 wurden erste Projekte für einen Furkabasistunnel vorgestellt. 1973 konnte dann nach grossem politischen Wiederstand mit den Tunnelbauarbeiten begonnen werden. 1982 wurde der 15,4 km lange Tunnel trotz enormen geologischen Problemen eröffnet und gleichzeitig die Bergstrecke über Gletsch stillgelegt. Die Bergstrecke wurde in Oberwald und Realp vom FO Netz abgetrennt und verfiel in einen Dornröschenschlaf. Der Prinz kam dann in Gestalt einiger initiativer Leute (damals als Spinner bezeichnet) die die Bergstrecke als Touristenbahn wieder in Betrieb nehmen wollten. Die “Dampfbahn Furka Bergstrecke” DFB wurde gegründet und mit freiwilligen Mitarbeitern aus der halben Welt wurde die Strecke und auch das Rollmaterial etappenweise wieder in Betrieb genommen. Die Gesamtstrecke Oberwald – Realp konnte ab 2010 wieder befahren werden. Eine grandiose Leistung der DFB Mitarbeiter.

Streckenführung

Nach der Station Oberwald beginnt sofort die Zahnstange welche mit Ausnahme der Station Gletsch bis Muttbach zum Einsatz kommt. Am rechten Talhang steigt das Trassee bis zu Talstufe unterhalb Gletsch empor, wo der grosse Höhenunterschied nur mittels Kehrtunnel bewältigt werden konnte. Nach der Station Gletsch liegt das Gleis nun am linken Talhang und steigt weiter mit 110 0/00 gegen Muttbach. Nun folgt der 1,9 km lange Furkascheiteltunnel mit der Station Furka am Ostportal. Mit 2160 Meter über Meer war dies der höchste Punkt der FO. An der linken Talflanke senkt sich das Zahnstangengleis nun gegen die Alp Steinstafel wo die Furkareuss überquert wird und die Strecke nun rechtsseitig des Tales zur Kreuzungsstation Tiefenbach führt und dann mit drei Tunnel dem Talgrund zustrebt. Kurz vor dem Zahnstangenende wird die Furkareuss ein zweites Mal überbrückt und im Adhäsionsbetrieb wird dem Fluss gefolgt bis vor Realp.

Die Fahrzeit Oberwald – Gletsch – Realp betrug um die 50 Minuten.

Streckenskizze                                                                           Google Earth

Was blieb erhalten?

Die ganze Bergstrecke Oberwald – Gletsch – Realp mit den vorhandenen Gebäuden blieb erhalten und wurde von der DFB restauriert und etappenweise als dampfbetriebene Touristenbahn wieder in Betrieb genommen. Die Fahrleitunganlage wurde noch durch die FO abgebrochen. Da die FO / MGB Stationsgleise in Oberwald und Realp für die DFB nicht zur Verfügung standen, musste die Dampfbahn hier ihre eigenen Stationen erstellen.

Allgemeine Daten

Betriebsaufnahme Strecke:
Oberwald – Gletsch              30.06.1914
Gletsch – Realp               3.07.1926
Betriebseinstellung Strecke:
Oberwald – Gletsch – Realp              11.10.1981    1)
Streckenabbruch  erhalten (Betrieb durch DFB)
Ersatzbetrieb          Furkabasistunnel
Streckenlänge               18, 1  km
Gleis mit Zahnstange (4 Abschnitte)               13, 5  km
Zahnradsystem          Abt, zweilamellig
Spurweite              1000  mm
Grösste Neigung              110  0/00
Stationen und Haltestellen aufgehoben                    4
Tiefste Station     (Oberwald)             1366  m.ü.M
Höchste Station    (Furka)             2160  m.ü.M.
Anzahl Tunnel                    5
Anzahl Brücken  (über 2 m Länge)                   11
Betriebsart               Elektrisch
Elektrischer Betrieb ab                  1942
Stromsystem     Wechselstrom  16,7  Hz
Spannung               11 000  V
Anzahl Zugspaare   1981                    6

1)  Letzte Winterpause der Strecke Oberwald – Gletsch – Realp. Der Basistunnel wird am 25.06.1982 eröffnet und damit der ganzjährige Betrieb eingeführt.

Stationen und Haltestellen

Name Bahn km Höhe m.ü.M.  HG  NG  Remise  Bemerkungen
Oberwald      41,3      1366 noch in Betrieb
Gletsch      46,2      1759   2   5  1
Muttbach-Belvedere      49,9      2117   2   1
Furka      52,0      2160   2   1 Drehscheibe
Tiefenbach      55,3      1846   2
Realp      59,4      1538  noch in Betrieb

HG = Hauptgleise, NG = Nebengleise

Fotos aus der Betriebszeit

 

Ausschnitt aus dem Kursbuch 1981

Fotos nach der Betriebseinstellung (Touristikbahn 2010)

Touristikbahn Dampfbahn Furka Bergstrecke DFB

 

 

 

Literatur

Schienennetz Schweiz, AS Verlag
Furka – Oberalp, Dumjahn Verlag
FO Brig- Furka-Disentis, Pharos Verlag
Furka – Oberalp Bahn, Ott Verlag
Furka Bergstrecke DFB, AS Verlag