Brunnen – Morschach Bahn (BrMB)

Strecke: Brunnen Axenstrasse – Morschach – Axenstein

Einfahrt in die Talstation Brunnen.                                              Foto  P. Sutter, Archiv Tramclub Basel

 

Hier liegt die Strecke

Brunnen liegt am Vierwaldstättersee an der Gotthardbahn.

Geschichte

Um 1870 wurden bei Morschach mehrere Grandhotels eröffnet. Der Axenstein galt als eine der schönsten Aussichtskanzeln über dem Vierwaldstättersee. Nicht zu verwundern dass alsbald Pläne auftauchten, Morschach und Axenstein mit dem Ort Brunnen mittels einer Zahnradbahn zu erschliessen. Man dachte selbst daran die Bahn bis auf den Fronalpstock zu verlängern.

1905 konnte die reine Zahnradbahn zwischen Brunnen und Axenstein den Betrieb aufnehmen. Sie wurde von Anfang an mit Drehstrom betrieben und besass Rowan-Züge welchen ein Verstärkungswagen vorgestellt werden konnte. Doch die in die Bahn gesetzten Erwartungen erfüllten sich nie. Einerseits war Morschach bereits durch eine gute Strasse erschlossen, andererseits war die Talstation derart schlecht plaziert, dass von der SBB Station ein Fussmarsch von 20 Minuten nötig war und auch die Schiffsstation war in grösserer Entfernung. Als Besonderheit für eine Zahnradbahn galt die Linienführung in Strassenrandlage über mehrere hundert Meter.

Während in den ersten Jahren nur ein Sommerbetrieb vorgesehen war, musste dann auf Betreiben der Gemeinde Morschach ab 1935 auch im Winter bis Morschach gefahren werden. Regelmässig wurde die Bahn auch zum Abführen des im Wasiwald geschlagenen Holzes herangezogen.

Ein grosser Schlag für das Unternehmen war die Schliessung der beiden grössten Hotels 1947 und 1964. Die finanzielle Lage des Betriebes wurde je länger desto schlimmer und auch hier sah man das Heil in der Umstellung der Bahn, nicht auf Bus sondern auf eine Luftseilbahn welche bis auf den Fronalpstock führen sollte. 1969 wurde die alte, gemütliche Zahnradbahn eingestellt. Sie hatte während 64 Jahren mit demselben Rollmaterial klaglos funktioniert. Doch anstatt der Grosskabinenbahn, welche nicht zu finanzieren war, fährt jetzt halt doch der Bus nach Morschach.

Streckenführung

Die Talstation der Zahnradbahn befand sich ausserhalb von Brunnen etwa 300 m von der Schiffstation entfernt in Richtung Flüelen. Sofort begann das Gleis zu steigen und führte die Bahn über eine Metallbrücke in den einzigen Tunnel. Der steilen Bergflanke entlang erreichte man die Kreuzungsstation Kehr. Nun gelangte die Strecke an die Bergstrasse und folgte dieser in Strassenrandlage bis kurz vor Morschach. Hier machte die Bahn eine 180 ° Kurve vorbei an der Station Morschach und gelangte etwas weiter oben zum dreigleisigen Depot. Nach wenigen Minuten wurde die Bergstation Axenstein erreicht. Mit einem Tunnel und zwei Brücken hatte die kleine Bahn doch einiges zu bieten.

Die Fahrzeit betrug 15 Minuten.

Streckenskizze                                                                             Google Earth

Was blieb erhalten? Stand 2008

Vom alten Bahntrassee ist noch einiges zu sehen, zum Teil wird es sogar als Wanderweg benutzt. Zwei Brücken und der Tunnel blieben erhalten, die dritte Brücke über die Hauptstrasse bei Morschach wurde abgebrochen und durch einen Fussgängersteg ersetzt. Von den Gebäuden blieb allerdings keines erhalten. Kurz vor der ehemaligen Bergstation wurde auf dem alten Trassee ein kurzes Stück Gleis mit Zahnstange wieder aufgebaut und erinnert so zusammen mit einer Gedenktafel an die BrMB.

Allgemeine Daten

Betriebsaufnahme Strecke:
Brunnen – Axenstein 1.08.1905
Betriebseinstellung Strecke:
Brunnen – Axenstein 29.03.1969
Streckenabbruch ab 1969
Ersatzbetrieb Bus
Streckenlänge 2,0 km
Strassenstrecken 0,4 km
Gleis mit Zahnstange 2,0 km
Zahnradsystem Strub
Spurweite 1000 mm
Kleinster Kurvenradius 80 m
Grösste Neigung 170 0/00
Anzahl Weichen 8
Anzahl Stationen 3
Tiefste Station (Brunnen) 437 m.ü.M.
Höchste Station (Axenstein) 705 m.ü.M.
Depot / Werkstätte Morschach
Anzahl Tunnel 1
Anzahl Brücken  (über 2 m Länge) 5
Betriebsart Elektrisch
Elektrischer Betrieb ab Eröffnung
Stromsystem Drehstrom, 50 Hz
Spannung 750 V
Personalbestand 1968 5
Beförderte Personen 1906 64 013
Beförderte Personen 1968 51 765
Beförderte Güter 1906 592 t
Beförderte Güter 1968 88 t
Anzahl Zugspaare 18
Kupplungssystem Zp-Fallhaken
Bremssystem elektr. Bremse / Handbremse
Stromabnehmer Ruten
Fahrzeugbreite 2,70 m
Anstrich der Personenfahrzeuge hellgelb
Höchstgeschwindigkeit 9 km/h

Rollmaterial bei Betriebseinstellung

Triebfahrzeuge

Typ Nr. Baujahr Lieferfirmen Länge Gewicht Leistung Achsstand Bemerkungen
   m     t    PS      m
He 2/2   1  1905 SLM/Rieter  3,91    10   200     1,95 1969  Abbruch
He 2/2   2  1905 SLM/Rieter  3,91    10   200     1,95 1969  Abbruch
He 2/2   3  1905 SLM/Rieter  3,91    10   200     1,95 1969  Abbruch

Personenwagen

Typ Nr. Baujahr Lieferfirmen Länge Gewicht Plätze Bemerkungen
   m     t
B2   4  1905   Bautzen   7,77     5     40 1969  Abbruch  1)
B2   5  1905   Bautzen   7,77     5     40 1969  Abbruch  1)
B2   7  1905   Bautzen   7,80     4     40 1969  Abbruch
B2   8  1905   Bautzen   7,80     4     40 1969  Abbruch

1) Rowanwagen. Bei diesem System stützt sich der Wagen talseitig auf die Lok. Ein Drehgestell ist nur bergseitig vorhanden (wie Sattelschlepper).

Güterwagen

Typ Nr. Baujahr Lieferfirmen Länge Gewicht Ladegewicht Bemerkungen
    m     t   t
L  10  1905   Bautzen   5,22     3       8 1969  Abbruch
L  11  1905   Bautzen   5,22     3       8 1969  Abbruch

Ferner war noch ein Fahrleitungs-Montagewagen vorhanden.

Stationen und Haltestellen

Name Bahn km Höhe m.ü.M.  HG  NG  Depot
Brunnen      0,0       437   1   1
Kehr  (Dienststation)      0,7         *   2
Morschach      1,2       640   1
Depot  (Dienststation)      1,6         *   2   3   1
Axenstein      2,0       705   1

HG = Hauptgleise, NG = Nebengleise

Bilder aus der Betriebszeit

Ausschnitt aus dem Kursbuch Sommer 1968

 

Fotos nach der Betriebseinstellung (Spurensuche 2008)

 

 

 

Literatur

Elektrische Zahnradbahn Brunnen – Morschach, Prellbock Verlag
Schweiz. Eisenbahnstatistik 1906, Amt für Verkehr
Schweiz. Verkehrsstatistik 1968, Amt für Verkehr
Schienennetz Schweiz, AS Verlag
Aufgehobene Bahnen in der Schweiz, VRS Verlag