Rigi – Scheidegg Bahn (RSB)

Strecke: Rigi Kaltbad – Rigi Scheidegg

Vor Rigi Scheidegg.                                                                            Slg.  M. Jansen

Hier liegt die Strecke

Die RSB fuhr auf der Rigi zwischen Zuger- und Vierwaldstättersee.

Geschichte

Das grosse Bergbahnfieber begann 1871 mit der Eröffnung der Zahnradbahn von Vitznau auf die Rigi. Bereits 1875 konnte dann die Bahn von Arth auf die Rigi den Betrieb aufnehmen womit die Rigi zum besterschlossenen Berg der Schweiz wurde.
Nun war es aber nicht so dass der Bau der Rigibahnen einen Boom im Hotelbau ausgelöst hätte, bestanden doch bereits an die zwanzig Hotels im Rigigebiet, das älteste datierte von 1816.

Um den Transport der Gäste mit Pferden und Tragsesseln von der Station Rigi Kaltbad nach Scheidegg ins Grand Hotel zu vereinfachen wurde eine meterspurige Adhäsionsbahn erstellt. Diese Bahn war wohl die schönste Panoramabahn der Schweiz, vielleicht zu vergleichen mit der noch heute verkehrenden Mürrenbahn, nur dass die RSB abwechselnde Tiefblicke auf beide Talseiten bot.

Mit der Wirtschaftskrise und dem ersten Weltkrieg verloren die Hotelpaläste auf der Rigi ihre Gäste für immer. Die grossen, abseits stehenden Luxuskästen waren nicht mehr gefragt. Damit wurde die Bahn ihrer Existenz beraubt. 1931 wurde der Betrieb eingestellt und nach einigen erfolglosen Wiederbelebungsversuchen mussten die Anlagen 1942 abgebrochen werden. Es darf allerdings nicht verschwiegen werden dass die Bahn ein reines Spekulationsobjekt war und die Geldgeber enttäuschte. Ohne die Rigibahn die den Betrieb übernahm hätte die kleine Saisonbahn nicht lange überlebt.

Die interessante Bahnstrecke dient heute als einzigartiger Wanderweg mit Tunnel und Metallbrücke. Wer weiss welchen touristischen Wert diese Dampfbahn heute hätte?

Streckenführung

Unmittelbar südlich der Station Rigi Kaltbad, im rechten Winkel zur Zahnradbahn, wurde die Abgangsstation der Rigi-Scheidegg Bahn erstellt. Neben einem kleinen Stationsgebäude gab es noch eine Lok- und Wagenremise. Zuerst der südwestlichen Bergflanke entlang mit herrlichem Blick auf den Vierwaldstättersee wurde die Station Rigi First mit dem grossen Hotel erreicht, dann wechselte die Strecke durch eine kleine Einsattelung auf die nordöstliche Flanke und gibt den Blick frei auf den Lauerzersee und bald taucht die im Bogen liegende, filigrane Metallbrücke von Unterstetten auf. Nun steigt die Strecke dauernd an und nach einigen weiteren Kurven kommen wir zu dem einzigen kurzen Tunnel. Beim Dossen wechselt das Gleis wieder auf die südwestliche Seite und verbleibt an diesem Berghang bis zur Endstation Scheidegg. Hier gab es ein kleines Stationsgebäude sowie eine Remise. Oberhalb der Station thronte der riesige Hotelkomplex. Nebst dem Tunnel und der Brücke besass die Bahn keine grössern Kunstbauten.

Die Fahrzeit betrug 40 Minuten.

Streckenskizze                                                                                                                            map.search.ch

Was blieb erhalten? Stand 2008

Während das Bahntrassee in der ganzen Länge als Wander- und Wirtschaftsweg weiterlebt ist von den Hochbauten nichts mehr zu sehen, ausser den Fundamenten der Remise auf der Scheidegg. Zwei Personenwagen wurden bei Unterstetten neben dem Bahntrassee als Ferienhäuser aufgestellt. Sie stehen heute noch da.

Bahnwandern 2008

Der grossartige Panoramaweg zwischen Rigi-Kaltbad und Rigi Scheidegg wird alljährlich von vielen Wandern begangen – die allerwenigsten wissen jedoch dass sie ein ehemaliges Bahntrassee begehen. Höchstens der kleine Tunnel und die im Bogen liegende Metallbrücke machen einige Leute stutzig.

Bei der Rigibahnstation Rigi-Kaltbad begeben wir uns auf die östliche Seite zum unteren Weg, dem ehemaligen Trassee der RSB. Die Stationsgleise der RSB lagen im rechten Winkel zu den Gleisen der Rigibahn. An Ferienhäusern vorbei, später durch Wald und Wiesen windet sich das Trassee mal links, mal rechts vom Grat Richtung Scheidegg und erlaubt grandiose Tiefblicke auf beide Seiten. Bei Unterstetten (Gasthaus) gelangen wir über die zierliche Metallbrücke und wenig später durch den kurzen Tunnel. Unterhalb Rigi Scheidegg ist das Bahntrassee zu Ende, der Weg führt nun auf den Grat wo früher der riesige Hotelkomplex stand, heute jedoch nur noch ein Gasthaus zu finden ist. Für den Rückweg bietet sich die Luftseilbahn Rigi Scheidegg – Kräbel an, ab Kräbel führt uns dann die Rigibahn hinunter nach Arth-Goldau.

Wanderzeit: 1 Stunde 40 Minuten.

Allgemeine Daten

Betriebsaufnahme Strecke:
Rigi Kaltbad – First 14.07.1874
First – Scheidegg 1.06.1875
Betriebseinstellung Strecke:
Rigi Kaltbad – Scheidegg 21.09.1931
Streckenabbruch 1942
Ersatzbetrieb  —-
Streckenlänge 6,7 km
Spurweite 1000 mm
Kleinster Kurvenradius 105 m
Grösste Neigung 50 0/00
Anzahl Weichen 7
Anzahl Stationen 5
Tiefste Station (Unterstetten) 1440 m.ü.M.
Höchste Station (Scheidegg) 1607 m.ü.M.
Depot / Werkstätte Rigi Kaltbad
Anzahl Tunnel 1
Anzahl Brücken  (über 2 m Länge) 6
Betriebsart Dampf
Personalbestand durch Rigibahn
Beförderte Personen 1930 (Sommerbetrieb) 12 834
Beförderte Güter  1930 (Sommerbetrieb) 343 t
Anzahl Zugspaare 5
Kupplungssystem Zp 2
Bremssystem Gegendruckbremse / Handbremse
Fahrzeugbreite 2,50 m
Anstrich der Personenfahrzeuge rot
Höchstgeschwindigkeit 20 km/h

Rollmaterial bei Betriebseinstellung

Triebfahrzeuge

Typ Nr. Baujahr Lieferfirmen Länge Gewicht Leistung Achsstand Bemerkungen
    m      t     PS   m
G 3/3  1   1874     SLM   6,10     17    130    2,20 1942  Abbruch
G 3/3  2   1874     SLM   6,10     17    130    2,20 1942  Abbruch

1874 kam ebenfalls die Lok Nr. 3 in Betrieb. Da für eine dritte Lok kein Bedarf vorhanden war wurde sie 1884 verkauft. (Käufer nicht bekannt, ev. als Baulok).

Personenwagen

Typ Nr. Baujahr Lieferfirmen Länge Gewicht Plätze Achsstand Bemerkungen
   m     t total   m
BF   4   1874  MF Fribourg   4,60     3   13    2,10 1961  Verkauf  1)
BF4   6   1874  MF Fribourg  10,69     5   70    8,30 1943  Verkauf  2)
BF4   7#   1874  MF Fribourg  10,69     5   70    8,30 1961  Verkauf  1)

1)  die beiden Wagen stehen in Unterstetten als Ferienhaus.
2)  Käufer nicht bekannt.
# BF4 Nr. 7 vor dem Umbau Nr. 5

Güterwagen

Typ Nr. Baujahr Lieferfirmen Länge Gewicht Ladegewicht Achsstand Bemerkungen
    m     t  t   m
M   2   1874  MF Fribourg   4,60     2       5    2,10 1943  an FB
M   3   1874  Mf Fribourg   4,60     2       5    2,10 1943  an FB

Stationen und Haltestellen

Name Bahn km Höhe m.ü.M.  HG  NG   Remise  Depot
Rigi Kaltbad      0,0      1 441   2   3   1   1
Rigi First      1)      1,1      1 454   1
Unterstetten      2,8      1 440   1
Rigi Scheidegg      6,7      1 607   1   1   1

HG = Hauptgleise, NG = Nebengleise
Ferner existierte noch die Bedarfshaltestelle Unterdossen.
1)  In den ersten Betriebsjahren war hier noch ein Kreuzungsgleis vorhanden.

Bilder aus der Betriebszeit

Fahrplanausschnitt Sommer 1915.

Fotos nach der Betriebseinstellung (Spurensuche 2008)

Noch erhaltenes Rollmaterial

 

 

 

Literatur

Der Dampfbetrieb der Schweizerischen Eisenbahnen, Birkhäuser Verlag
Rigi – Scheidegg Bahn, Prellbock Verlag
Schweiz. Eisenbahnstatistik 1930, Amt für Verkehr
Schienennetz Schweiz, AS Verlag
Aufgehobene Bahnen in der Schweiz, VRS Verlag