Stansstad – Engelberg Bahn (StEB)

Strecke: Stansstad – Gerbi (Anbindung an die Neubaustrecke)

ABDe 2/4 Nr. 10 vor dem Depot Stansstad.    1964                                      Foto  P. Sutter, Archiv Tramclub Basel

Hier liegt die Strecke

Stansstad liegt am Vierwaldstättersee, südlich von Luzern.

Geschichte

Die elektrische Stansstad-Engelberg Bahn StEB hatte ihre Abgangsstation an der Schiffstation in Stansstad. Die Bahn war ein Inselbetrieb das heisst sie besass keine Verbindung zu einem andern Bahnnetz. Zwischen Luzern und Stansstad mussten die Reisenden das Schiff benutzen. Ebenfalls zwischen Stansstad und Stans verkehrte bereits die 1893 eröffnete knapp 4 km lange Trambahn. Diese konnte dem Konkurrenzdruck der StEB jedoch nicht lange standhalten und wurde bereits 1903 wieder eingestellt. (Siehe auch Strassenbahn Stansstad – Stans StSt.)

In den 60er Jahren wurde der umständliche Reiseweg von Luzern nach Engelberg, zuerst mit dem Schiff, dann mit der total veralteten, noch mit Drehstrom betriebenen Schmalspurbahn als nicht mehr tragbar eingestuft. Obschon es auch hier zahlreiche Befürworter eines künftigen Busbetriebes gab, entschieden sich Bund und Kantone für eine Totalsanierung der Bahn. Die Strecke sollte in Hergiswil von der ebenfalls meterspurigen Brünigbahn abzweigen und durch einen neuen Loppertunnel Richtung Stans führen, wo ungefähr bei der Ausweichstelle Gerbi der Anschluss an die alte StEB Strecke stattfinden sollte.

1964 konnte die neue Verbindungsstrecke Hergiswil – Gerbi in Betrieb gehen. Die gesamte Strecke bis Engelberg wurde total erneuert und auf 15 000 V Wechselstrom (analog Brünigbahn) umgestellt. Das Rollmaterial war vollständig neu, von den alten Fahrzeugen blieb lediglich ein Schienentraktor im Einsatz. Die neue Bahn, sie nannte sich nun Luzern-Stans-Engelberg Bahn LSE, fährt nun durchgehend von Luzern bis Engelberg. Die alte Strecke zwischen Stansstad und Schiffstation wurde überflüssig.

Streckenführung

Auf der Hafenmole von Stansstad am Vierwaldstättersee begann die Fahrt der StEB. Wenige hundert Meter landeinwärts befanden sich die umfangreichen Depotanlagen und die Werkstätte. Ueber die freie, weite Talebene wurde die Kreuzungsstelle Gerbi erreicht und wenig später der Punkt wo die neue Linie von Hergiswil einmündete. Die Strecke wies keine nennenswerten Kunstbauten auf.

Die Fahrzeit betrug 4 Minuten.

Streckenskizze                                                                  Google Earth

Was blieb erhalten? Stand 2008

Von der alten Strecke durch die Talebene gibt es keine Ueberbleibsel mehr. Einzig das Stationsgebäude an der Schiffstation Stansstad blieb erhalten. Das alte Depot wurde abgebrochen und durch einen Neubau bei der neuen Station Stansstad ersetzt.

Allgemeine Daten

Betriebsaufnahme Strecke:
Stansstad Schiffstation – Gerbi 5.10.1898
Betriebseinstellung Strecke:
Stansstad Schiffstation – Gerbi 4.10.1964
Streckenabbruch anschliessend
Ersatzbetrieb Neubaustrecke LSE
Streckenlänge 1,9 km
Spurweite 1000 mm
Kleinster Kurvenradius 80 m
Grösste Neigung 8 0/00
Anzahl Weichen 12
Anzahl Stationen 1
Tiefste Station (Stansstad) 435 m.ü.M.
Höchste Station (Gerbi) 442 m.ü.M.
Depot / Werkstätte Stansstad
Anzahl Tunnel  —-
Anzahl Brücken  (über 2 m Länge)  —-
Betriebsart Elektrisch
Elektrischer Betrieb ab Eröffnung
Stromsystem Drehstrom, 33,3 Hz
Spannung 800 V
Anzahl Zugspaare 17
Kupplungssystem Trompete
Bremssystem elektr. Bremse / Druckluft
Stromabnehmer Lyra, zweipolig
Fahrzeugbreite 2,70 m
Anstrich der Personenfahrzeuge grün / crème
Höchstgeschwindigkeit 40 km/h

Rollmaterial bei der Systemumstellung 1964

Triebfahrzeuge

Typ Nr. Baujahr Lieferfirmen Länge Gewicht Leistung Plätze Bemerkungen
    m      t     kW  1/2 Kl.
HGe 2/2     1  1898   SLM/BBC   4,25     13    110 1985  an VHS
HGe 2/2     2  1898   SLM/BBC   4,25     13    110 1967  Abbruch
HGe 2/2     3  1899   SLM/BBC   4,51     13    110 1965  Abbruch
HGe 2/2     4  1905   SLM/BBC   4,51     13    110 1965  Abbruch
HGe 2/2     5  1913   SLM/BBC   4,58     13    110 1965  Abbruch
Tm 2/2    51  1961 Raco/Deutz   5,07     10     81  LSE TM 102
BDZe 2/4     2  1898   SIG/BBC  14,70     16     50  -/16 1965  Abbruch
BDZe 2/4     3  1898   SIG/BBC  14,70     16     50  -/16 1965  Abbruch
Xe 2/4     4  1898   SIG/BBC  14,70     14     50 1965  Abbruch
ABe 3/4     6  1899 Geissb./BBC  16,08     20    129 16/40 1960  Abbruch
ABe 2/4     7  1899 Geissb./BBC  14,06     17    129 16/40 1965  Abbruch
ABDZe 3/4     8  1906 Wüest/BBC  14,06     20    129 16/24 1965  Abbruch
ABDZe 3/4     9  1901 Wüest/BBC  15,72     20    129 16/24 1966  Abbruch
ABDe 2/4    10  1906  SWS/BBC  12,12     17     86  8/24 1965  Abbruch
Be 2/4    11  1910  SWS/BBC  12,12     17     86  -/48 1965  Abbruch
Be 2/4    12  1912  SWS/BBC  12,12     17     86  -/48 1965  Abbruch
Be 2/4   101  1912  SWS/BBC  12,12     17     86  -/48 1964  Abbruch
Be 2/4   102  1914  SWS/BBC  12,12     17     86  -/48 1965  Abbruch
ABDZe 2/4   103  1929  SWS/BBC  14,72     24    140 12/24 1967  Abbruch

Ferner waren noch eine Motor- sowie Handhebeldraisine ohne Nummer vorhanden.

Personenwagen

Typ Nr. Baujahr Lieferfirmen Länge Gewicht Plätze Bemerkungen
    m      t   1/2 Kl.
B2   21    1903       SWS   9,08      6    -/32 1965  Abbruch
B2   22    1903       SWS   9,08      6    -/32 1965  Abbruch
B2   23    1904       SWS   9,08      6    -/32 1965  Abbruch
B2   24    1904       SWS   9,08      6    -/32 1965  Abbruch
B2   25    1906       SWS   9,08      6    -/32 1965  Abbruch
B2   26    1914       SWS   8,18      5    -/32 1965  Abbruch

Güterwagen

Typ Nr.  Baujahr Lieferfirma Länge Gewicht Ladegewicht Bemerkungen
    m       t  t
L       1    1897      SIG   6,04       4        5 1965  Abbruch
L       2    1897      SIG   4,64       3        5 1960  Abbruch
M    3 – 4    1897      SIG   4,64       3        5 1965  Abbruch
L      20    1899 SIG/StEB   5,93       4        5 1965  Abbruch
L   21 – 23    1899      SIG   6,05       4        5 1965  Abbruch
L   24 – 26    1899      SIG   5,05       3        5 1965  Abbruch
L   27 – 28    1904     SWS   6,00       3        5 1965  Abbruch
L   29 – 30  1913/14 SWS/StEB   6,00       4        5 LSE
S   31 – 33    1888    MBG.B   8,20       4       10 LSE
K      102    1899      SIG   4,92       4        5 1965  Abbruch
K  104 – 105    1899      SIG   4,92       4        5 1962  Abbruch
K  106 – 109  1904/05      SWS   6,00       4        5 1965  Abbruch
K      110     1888      MFB   7,70       5       10 LSE  X 91
X      101     1949  SIG/StEB   6,93       6     Pflug 1964  Abbruch

Ferner gab es noch zwei weitere Dienstwagen ohne Nummer.

Stationen und Haltestellen

Name Bahn km Höhe m.ü.M.  HG  NG
Stansstad (Schiffstation)      0,0       435   4   1
Gerbi  (Dienststation)      1,7       442   2

HG = Hauptgleise, NG = Nebengleise

Bilder aus der Betriebszeit

Dem Abbruch geweiht

Ausschnitt aus dem Kursbuch Sommer 1961

Fotos nach der Betriebseinstellung (Spurensuche 2008)

 

Rollmaterial das bei andern Bahnen oder Museen erhalten blieb

Noch nicht vorhanden!

 

 

 

Literatur

Bahnen nach Engelberg, Minirex Verlag
Die Brünigbahn, Minirex Verlag
Schweiz. Verkehrsstatistik 1960, Amt für Verkehr
Schienennetz Schweiz, AS Verlag