Strassenbahn St. Moritz (StrStM)

Strecke: St. Moritz Bad – St. Moritz Postplatz

Ce 2/2 Nr. 1 und 3 in St. Moritz-Bad.   um 1896                                                                         Foto  Archiv SVEA

Hier liegt die Strecke

St. Moritz liegt im Engadin am Endpunkt der Linie von Chur.

Geschichte

Damit die Kurgäste aus St. Moritz Dorf zur Badekur nach St. Moritz Bad gelangen konnten, mussten sie einen Fussmarsch von 1,5 Kilomter bewältigen oder eine Kutsche mieten. Um diese Strecke etwas komfortabler zurücklegen zu können wurde im Jahre 1896 eine elektrische Trambahn eröffnet.
Die Tramwagen hatten ursprünglich offene Führerstände. 1920 wurden diese stirnseitig abgeschlossen um den Führer etwas von der Witterung zu schützen. Das Tram verkehrte nur während der Sommer-Saison.
Es gab Pläne eine Zweiglinie zum Bahnhof zu erstellen. Mangels Finanzen konnte dieses Vorhaben jedoch nicht umgesetzt werden. Es scheint dass das fehlende Geld sowieso ein Dauerthema war bei dieser Unternehmung. In den Krisenjahren um 1930 herum sollte der ganze Trambetrieb dringend saniert werden, doch es fand sich dazu kein Geld. Wohl oder übel musste 1932 das Tram eingestellt werden und ein Bus übernahm dessen Aufgaben.

Streckenführung

Die Trambahn hatte ihren Ausgangspunkt in St. Moritz Bad bei der Heilquelle wo auch die Remise zu stehen kam. Immer der Hauptstrasse entlang erreichte die Strecke die Innbrücke und alsbald begann die 55 0/00 Steigung nach St. Moritz Dorf. Bald schon ist man bei der einzigen Kreuzungsstelle Englische Kirche, welche sich etwa in Streckenmitte befand. In andauernder Steigung kam das Tram zur Endstation Postplatz. Die Gleise lagen vollständig in der Strasse.

Die Fahrzeit betrug 8 Minuten.

Streckenskizze                                                                                                                         map.search.ch

Was blieb erhalten? Stand 2007

Einziges Relikt aus der Strassenbahnzeit ist das gedeckte Trambänkli der Haltestelle Englische Kirche.

Allgemeine Daten

Betriebsaufnahme Strecke:
St. Moritz Postplatz – St. Moritz Bad 5.07.1896
Betriebseinstellung Strecke:
St. Moritz Postplatz – St. Moritz Bad 18.09.1932
Streckenabbruch ca. 1940
Ersatzbetrieb Bus
Streckenlänge 1,6 km
Strassenstrecken 1,6 km
Spurweite 1000 mm
Kleinster Kurvenradius 30 m
Grösste Neigung 55 0/00
Anzahl Weichen 3
Anzahl Stationen und Haltestellen 10
Tiefste Station (St. Moritz Bad) 1774 m.ü.M.
Höchste Station (St. Moritz Postplatz) 1823 m.ü.M.
Depot / Werkstätte St. Moritz Bad
Anzahl Brücken  (über 2 m Länge)  —- (eigene)
Betriebsart Elektrisch
Elektrischer Betrieb ab Eröffnung
Stromsystem Gleichstrom
Spannung 550 V
Personalbestand 10
Beförderte Personen 1914 79 583
Anzahl Kurspaare 36
Kupplungssystem Trompete
Bremssystem elektr. Bremse / Handbremse
Stromabnehmer Rute
Fahrzeugbreite 2,00 m
Anstrich der Personenfahrzeuge blau / weiss
Höchstgeschwindigkeit 20 km/h

Rollmaterial bei Betriebseinstellung

Triebfahrzeuge

Typ Nr. Baujahr Lieferfirmen Länge Gewicht Leistung Plätze Bemerkungen
 m  t  PS
Ce 2/2 1 1895  MAN/SSW 6,00  7 40 10 ca. 1934 Abbruch
Ce 2/2 2 1895  MAN/SSW 6,00  7 40 10 ca. 1934 Abbruch
Ce 2/2 3 1895  MAN/SSW 6,00  7 40 10 ca. 1934 Abbruch
Ce 2/2 4 1895  MAN/SSW 6,00  7 40 10 ca. 1934 Abbruch

Ferner war noch ein kleiner offener Güterwagen ohne Bertiebsnummer vorhanden.

Stationen und Haltestellen

Name Bahn km Höhe m.ü.M.  HG  NG  Depot
St. Moritz Bad       0,0      1775   1   1   1
St. Moritz Post       0,4      1775   1
Englische Kirche       0,8      1790   2
St. Moritz Postplatz       1,6      1823   2

Weitere Hlst waren: Stahlbad, Du Lac, Central, Bellevue, Belvedere, Badrutt.
HG = Hauptgleise, NG = Nebengleise

Bilder aus der Betriebszeit

Fotos nach der Betriebseinstellung (Spurensuche 2008)

Das Trambänkli bei der Englischen Kirche. Seit über 100 Jahren im Dienst der Passagiere. 2008 Foto J. Ehrbar

 

 

 

Literatur

Elektrische Strassenbahn St. Moritz, Prellbock Verlag
Schweiz. Eisenbahnstatistik 1914, Amt für Verkehr
Schienennetz Schweiz. AS Verlag
Aufgehobene Bahnen in der Schweiz, VRS Verlag