Wohlen – Meisterschwanden Bahn (WM)

Strecke: Wohlen – Fahrwangen-Meisterschwanden

WM bei Fahrwangen. 1977                                                                                                              Foto  A. Knoerr

Hier liegt die Strecke

Wohlen liegt 8 km nach Lenzburg an der Strecke nach Arth-Goldau.

Geschichte

Die Gemeinden zwischen Wohlen und Hallwilersee suchten seit langem einen Bahnanschluss an die Südbahn. Die noch wenig industriealisierte Gegend versprach aber kein grosses Verkehrsaufkommen und so konnte während vielen Jahren kein konkretes Projekt präsentiert werden. Auch hier hatte man ein Normalspur- und ein Schmalspurkomitee und beide waren von ihrem Konzept überzeugt. Ausgerechnet während dem ersten Weltkrieg konnte dann der Bau einer Normalspurbahn zwischen Wohlen und Fahrwangen gestartet werden. Man dachte sogar an eine spätere Verlängerung zur Seetalbahn. Das Stationsgebäude in Meisterschwanden wurde bereits erstellt – einen Zug hat es jedoch nie gesehen, der Weiterbau kam nicht mehr zustande. Dass die Bahn elektrisch betrieben wurde machte die Sache nicht einfacher, war doch der Kupferdraht für die Fahrleitung fast nicht zu bekommen. Nach dem Eintreffen des Fahrdrahtes konnte die Bahn dann, 1916, mitten im Krieg, eröffnet werden und wurde wegen der Benzinknappheit sofort rege benutzt.

Die Bahn wurde recht einfach erstellt und folgte auf grossen Strecken der Hauptstrasse. Zwischen Wohlen und Villmergen liessen sich mehrere Industriebetriebe nieder und die Bahn hatte dadurch ein gutes Frachtaufkommen, wenn auch nur auf relativ kurzer Teilstrecke. In den 60er Jahren als das Rollmaterial dringend zu erneuern war, wurde eine allfällige Umstellung auf Strassentransport eingehend geprüft. Der Entscheid fiel dann zugunsten der Bahn aus und es wurde beschlossen, den Gleichstrombetrieb aufzugeben und auf 15 000 V Wechselstrom umzustellen. Dazu war natürlich auch neues Rollmaterial notwendig.

Der Personenverkehr blieb aber immer unter den Erwartungen und als die besten Kunden ihre Gütertransporte auf die Strasse verlegten, war das Ende der Bahn dann doch gekommen. Die Reststrecke der WM bei Wohlen wird nun von den SBB bedient (Getreidemühle.

Streckenführung

Da die WM in der ersten Zeit mit Gleichstrom betrieben wurde, hatte sie in Wohlen auf der Westseite eine eigene, einfache Stationsanlage mit Uebergabegleis zur SBB. Die Bahn verliess den Bahnhof in nördlicher Richtung um sich alsbald gegen Westen zu wenden und dann bei Villmergen eine südliche Richtung einzunehmen. Von hier bis Sarmenstorf lag das Gleis parallel zur Strasse. Mit Steigungen bis zu 42 0/00 wurde nun der Seerücken erklommen. Kurz vor Fahrwangen drehte die Strecke wieder in westliche Richtung und erreichte querfeldein die Endstation. Es waren keine nennenswerten Kunstbauten vorhanden. Die meisten Anschlussgleise befanden sich zwischen Wohlen SBB und Villmergen.

Die Fahrzeit betrug 15 Minuten.

Streckenskizze                                                                         Google Earth

Was blieb erhalten? Stand 2007

Die Strecke von Wohlen bis an den Ortsrand von Villmergen blieb als Anschlussgleis erhalten, die Reststrecke wurde abgebrochen. Das Trassee entlang der Hauptstrasse zwischen Villmergen und Sarmenstorf wurde mit einem Teerbelag versehen zum Fuss- und Veloweg. Ab Sarmenstorf ist das Trassee nur noch teilweise als Weg erhalten. Das Stationsgebäude von Villmergen wurde abgebrochen, dasjenige von Hilfikon fiel bereits 1993 Strassenumbauten zum Opfer. Die Gebäude von Sarmenstorf und Fahrwangen sind noch vorhanden, das ehemalige Depotgebäude in Fahrwangen wird als Busgarage genutzt.

2008 wurde das Stationsgebäude von Sarmenstorf ebenfalls abgebrochen um einer Ueberbauung Platz zu machen.

Bahnwandern 2007

Am besten beginnen wir unsere Wanderung bei der ehemaligen WM Endstation Fahrwangen-Meisterschwanden. Die Busstation heisst Fahrwangen Bahnhof. Hier sehen wir bereits das zur Busgarage umfunktionierte Bahndepot und das Stationsgebäude das nun einen Blumenladen beherbergt. Wir gehen nun beim Kiosk auf die ehemalige Gleisseite und kommen zu einem schmalen Fussweg der in nordöstlicher Richtung durch einen kleinen Einschnitt läuft. Bald dreht der auf dem Trassee liegende schmale Weg nach Norden und über Wiesen geht es nach Sarmenstorf. Ein kleiner Wassergraben war bei meiner Begehung ohne Steg und musste übersprungen werden. Unterhalb Sarmenstorf gelangt das Trassee zur Hauptstrasse und folgt dieser in unmitttelbarer Nähe bis Villmergen. Dieser Teil ist asphaltiert und als Fuss- und Veloweg vorgesehen. In Villmergen endet die Trasseewanderung. Hier kann wieder der Bus bestiegen werden.

Der erste Teil der Wanderung zwischen Fahrwangen und Sarmenstorf führt teilweise nur über einen schlechten Pfad und ist nicht für jedermann geeignet.

Wanderzeit Fahrwangen – Villmergen: 1 Stunde 40 Minuten.

Allgemeine Daten

Betriebsaufnahme Strecke:
Wohlen – Fahrwangen-Meisterschwanden 18.12.1916
Betriebseinstellung Strecke:
Wohlen – Fahrwangen-Meisterschwanden 31.05.1997
Streckenabbruch:
Villmergen – Fahrwangen 1999
Als Anschlussgleis erhalten Wohlen – Villmergen
Ersatzbetrieb Bus
Streckenlänge 8,2 km
Spurweite 1435 mm
Kleinster Kurvenradius 90 m
Grösste Neigung 42 0/00
Anzahl Weichen 31
Anzahl Stationen (eigene) 4
Tiefste Station (Wohlen) 423 m.ü.M.
Höchste Station (Fahrwangen) 542 m.ü.M.
Depot / Werkstätte Fahrwangen
Anzahl Tunnel  —-
Anzahl Brücken  (über 2 m Länge) 3
Betriebsart Elektrisch
Elektrischer Betrieb ab Eröffnung
Stromsystem (1916 – 1966) Gleichstrom
Spannung 1 200 V
Umstellung Stromsystem 1966
Stromsystem (ab 1966) Wechselstrom, 16,7 Hz
Spannung 15 000 V
Personalbestand 18
Beförderte Personen 1935 305 256
Beförderte Personen 1995 332 387
Beförderte Güter 1935 19 708 t
Beförderte Güter 1995 112 498 t
Anzahl Zugspaare 23
Kupplungssystem Normal
Bremssystem elektr. Bremse / Druckluft
Stromabnehmer Panto
Anstrich der Personenfahrzeuge rot (orange) / crème
Höchstgeschwindigkeit 80 km/h

Rollmaterial bei Betriebseinstellung

Triebfahrzeuge

Typ Nr. Baujahr Lieferfirmen Länge Gewicht Leistung Plätze Bemerkungen
     m     t    kW   2. Klasse
BDe 4/4    1  1966 SIG/SWS/BBC   24,30    63   1100   48 1997  an SOB
BDe 4/4    2  1966 SIG/SWS/BBC   24,30    63   1100   48 1997  an SOB
BDe 2/4 3  1938  SWS/SAAS   20,00    40    330   60 1997  an ZMB #)
Em 2/2  101  1961  SIG/Saurer    7,50    38    166   — 1997  an Sersa
Em 4/4  151  1968 CEM/Poyaud   12,44    72    368   — Rangierdienst 1)
Ta 2/2   31  1915       BBC    6,10    10     10   — Rangierdienst 2)

# 1987 von Sensetalbahn erworben (STB BDe 2/4  101).
1) Nachdem die BDWM den Zustelldienst auf dem Anschlussgleis Wohlen – Villmergen an die SBB abgetreten hatte gelangte die Em 4/4 151 zur Holcim nach Untervaz.
2) Der Akkutraktor Ta 2/2 31 steht heute im Bahnmuseum Kerzers EMK.

Personenwagen

Typ Nr. Baujahr Lieferfirmen Länge Gewicht Plätze Bemerkungen
    m      t    2. Klasse
Bt  11   1966   SWP/BBC   23,60     29   72 1997  an SOB
B  26   1948       SIG   15,80     18   68 1997  an Privat   1)

1) Der B 26  wurde an den Club San Gottardo abgegeben welcher auf der Strecke Mendrisio – Stabio – Valmorea eine Museumsbahn betreibt. (Der baugleiche B 25 wurde bereits 1974 an die Rorschach – Heiden Bahn RHB verkauft. 1998 gelangte er dann ebenfalls nach Mendrisio).

Dienstwagen

Typ Nr. Baujahr Lieferfirmen Länge Gewicht Ladegewicht Bemerkungen
    m      t t
X 212 1911/64   SWS/WM    8,34      9       15 1997  an Privat

Stationen und Haltestellen

Name Bahn km Höhe m.ü.M.  HG NG  Depot Bemerkungen
Wohlen      0,0       423   2    noch in Betrieb
Villmergen      2,1       428   3   4
Hilfikon   1)      3,8       479   1   1
Sarmenstorf      6,4       527   2   2
Fahrwangen-Meisterschw.      8,2       538   2   4   1

1)  Das Nebengleis (Stumpen) wurde bereits 1993 abgebrochen.
HG = Hauptgleise, NG = Nebengleise

Bilder aus der Betriebszeit

 

Ausschnittt aus dem Kursbuch Sommer 1971

 

Fotos nach der Betriebseinstellung (Spurensuche 2007)

Etwas Spezielles

Rollmaterial das bei andern Bahnen oder Museen erhalten blieb

 

 

 

Literatur

Elektrische Bahn Wohlen – Meisterschwanden, Prellbock Verlag
Schweiz. Eisenbahnstatistik 1935 / 1970, Amt für Verkehr
Schienennetz Schweiz, AS Verlag